Zwölf Thesen zur Architektur der Zweiten Moderne

1
Die Architektur der Zweiten Moderne beansprucht Objektivierbarkeit und Ratio-nalität, ohne das Subjekt zu vernachlässigen.

2
Die Architektur der Zweiten Moderne verschliesst sich gegen aktuelle postmoderne und nostalgische Tendenzen, ohne die Bezüge zur Architek-turgeschichte zu verleugnen.

3
Die Zweite Moderne verlangt nach einer ‹Neuen Abstrakti-on›, welche Figürliches und Gegenständliches verbindet. Sie ist bildhaft und abstrakt, scharf und unscharf, seriell und situativ, brüchig und kräf-tig.

4
Die Zweite Moderne denkt in Dichotomien, weil sie weiss, dass jede Entwicklung nicht ohne ihre (paradoxen) Neben-folgen betrachtet werden kann.

5
Die Architektur der Zweiten Moderne baut ihre eigene Fik-tionen, da Konzepte nicht mehr reichen, um die Komple-xität der Wirklichkeit zu erfas-sen.

6
Die Zweite Moderne steht für Experimentalismus, um Denk-korsette zu sprengen und neue Handlungskonzepte für die Gegenwart zu gewinnen.

7
Die Architektur der Zweiten Moderne schafft ihren Kontext selbst, unabhängig vom tatsächlichen Ort.

8
Die Zweite Moderne steht für den Willen, die Unübersicht-lichkeit der Wirklichkeit als solche zu anerkennen.

9
Die Zweite Moderne ist hyper-, trans- und inter- zugleich.

10
Die Architektur der Zweiten Moderne steht für Wandelbar-keit, Verschiebung, Auflösung und Flüchtigkeit. Ihre Eigen-schaft ist das Nicht-Feste.

11
Die Infrastruktur der Zweiten Moderne liegt im Verborgenen: am Meeresgrund, im All oder an den Polen.

12
Die Zweite Moderne sieht das Entwerfen als heuristische Herausforderung.

 

ETH Zürich

Prof. Dr.
Elli Mosayebi

Wissenschaftliche Assistenz Lukas Burkhart
Theres Hollenstein
Nelly Pilz

Herbst 2018
mosayebi.arch.ethz.ch